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Die Regeln beim Ringen: Wertung, Schultersieg und verbotene Griffe

Wie ein Ringkampf gewertet wird: Punkte von 1 bis 5, Schultersieg, technische Überlegenheit und die Griffe, die auf der Matte verboten sind.

Ein Ringkampf wirkt für Außenstehende oft wie ein Ringen um Positionen, dessen Wertung sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Tatsächlich folgt er einem engen Regelwerk, das der Weltverband United World Wrestling für alle olympischen Wettbewerbe vorgibt und das auch in deutschen Ligen und auf Landesebene die Grundlage bildet. Wer die Wertung einmal verstanden hat, sieht in denselben sechs Minuten einen völlig anderen Kampf.

Die Matte: ein Kreis, kein Quadrat

Gerungen wird auf einer kreisrunden Matte von neun Metern Durchmesser. Die eigentliche Kampffläche in ihrer Mitte misst sieben Meter. Zwischen beiden liegt ein orange eingefärbter Streifen von einem Meter Breite, die sogenannte Passivitätszone: Wer sich dorthin zurückzieht und dort verharrt, gibt dem Kampfgericht ein sichtbares Signal. Außen schließt ein andersfarbiger Schutzbereich von anderthalb Metern an, der nicht mehr zur Kampffläche gehört. In der Mitte markiert ein Kreis von einem Meter Durchmesser, umrandet von einem zehn Zentimeter breiten Band, den Ausgangspunkt jedes Kampfes.

Diese Maße sind keine Empfehlung, sondern Vorschrift. Bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften liegt die Matte zusätzlich auf einem Podest zwischen achtzig Zentimetern und einem Meter zehn Höhe.

Zwei Perioden, ein Kampf

Ein Kampf besteht aus zwei Perioden mit einer Pause von dreißig Sekunden dazwischen. Bei Senioren, U23 und U20 dauert jede Periode drei Minuten, bei U15, U17 und Veteranen zwei Minuten. Die Punkte beider Perioden werden addiert; wer am Ende mindestens einen Punkt mehr hat, gewinnt.

Vorzeitig endet der Kampf auf zwei Wegen. Der eine ist der Schultersieg. Der andere ist die technische Überlegenheit: Führt ein Ringer im griechisch-römischen Stil mit acht Punkten Vorsprung, im Freistil mit zehn, wird der Kampf abgebrochen – allerdings erst, wenn die laufende Aktion abgeschlossen ist.

Der Schultersieg ist mehr als eine Berührung

Der Schultersieg, umgangssprachlich auch Tusch genannt, gilt als die klarste Art zu gewinnen. Er ist zugleich der am häufigsten missverstandene Punkt des Regelwerks. Es genügt nicht, dass beide Schultern des Gegners kurz den Boden berühren. Der Angreifer muss ihn so lange in dieser Lage halten, dass der Kampfrichter die vollständige Kontrolle über die Position bestätigen kann. Erst dann schlägt dieser auf die Matte – und auch das erst, nachdem der Mattenpräsident zugestimmt hat.

Am Rand gelten zusätzliche Bedingungen: Beide Schultern müssen innerhalb der orangen Zone liegen, und der Kopf darf den Schutzbereich nicht vollständig berühren. Ein Schultersieg im Schutzbereich zählt nicht.

Was welche Punkte bringt

Gewertet wird in vier Stufen, und die Abstufung folgt einer nachvollziehbaren Logik: Je größer die Kontrolle und je höher die Flugbahn, desto mehr Punkte.

Ein Punkt fällt für kleine Vorteile an. Verlässt der Gegner im Stand mit einem ganzen Fuß die Kampffläche, ohne dass ein Griff ausgeführt wird, ist das einen Punkt wert. Ebenso das Reversal, also der Konter aus der unterlegenen Bodenlage mit Übergang in den Rücken, oder die Flucht des Gegners vor einem angesetzten Griff.

Zwei Punkte gibt es für den kontrollierten Übergang in den Rücken, für einen korrekten Wurf in Bauch- oder Seitenlage und für jeden Griff, der den Rücken des Gegners auf unter neunzig Grad bringt.

Vier Punkte stehen für Würfe aus dem Stand, die den Gegner in einer fortlaufenden Bewegung in die Gefahrenlage bringen, sowie für Hebe-Würfe über kurze Amplitude.

Fünf Punkte, die Höchstwertung, sind dem Großamplitudenwurf aus dem Stand vorbehalten, der den Gegner direkt und unmittelbar in die Gefahrenlage befördert – der Moment, für den Zuschauer in die Halle kommen.

Verboten ist, was den Körper gefährdet

Das Regelwerk unterscheidet zwischen unerlaubten Griffen und Brutalität. Untersagt sind Handlungen, die Gelenke über ihren natürlichen Bewegungsraum hinaus belasten, die Atemwege oder die Halswirbelsäule gefährden oder dem Gegner keine Möglichkeit zur Abwehr lassen. Nicht erlaubt sind außerdem Griffe an Kleidung, Haaren oder Genitalien sowie das Zusammendrücken des Kopfes mit beiden Armen.

Im Frauenringen kommt eine eigene Einschränkung hinzu: Der Doppelnelson ist dort verboten, während die übrigen Freistil-Regeln gelten.

Die Regeln trennen die beiden Stile

Die wichtigste Einzelregel des gesamten Sports ist zugleich die, die aus einer Sportart zwei macht. Im griechisch-römischen Ringen ist es streng untersagt, den Gegner unterhalb der Gürtellinie zu fassen, ihn zu beinstellen oder die eigenen Beine aktiv für eine Aktion einzusetzen. Berührt ein Angreifer dabei unbeabsichtigt mit dem Bein, folgt beim ersten Mal eine Verwarnung, beim zweiten Mal ein Punkt für den Gegner.

Im Freistil und im Frauenringen ist genau das erlaubt: Beine greifen, beinstellen, die Beine als Hebel einsetzen. Diese eine Unterscheidung erklärt, warum sich die beiden Wettbewerbe optisch so deutlich voneinander unterscheiden.

Häufige Fragen

Wie groß ist eine Ringermatte?

Die Wettkampffläche misst neun Meter im Durchmesser. Darin liegt eine zentrale Kampffläche von sieben Metern, dazwischen ein ein Meter breiter orangefarbener Streifen als Passivitätszone. Außen schließt ein anderthalb Meter breiter Schutzbereich an.

Wie viele Punkte bringt welche Aktion?

Gewertet wird in vier Stufen: ein, zwei, vier und fünf Punkte. Die Abstufung folgt der Kontrolle und der Flugbahn – je größer die Kontrolle und je höher der Gegner bewegt wird, desto mehr Punkte.

Wann gilt ein Schultersieg?

Wenn beide Schultern des Gegners kontrolliert den Boden berühren und der Angreifer die Position lange genug hält, dass der Kampfrichter sie bestätigen kann. Beide Schultern müssen innerhalb der orangen Zone liegen; ein Schultersieg im Schutzbereich zählt nicht.

Welche Griffe sind verboten?

Untersagt ist, was den natürlichen Bewegungsraum der Gelenke überschreitet, die Atemwege oder die Halswirbelsäule gefährdet oder dem Gegner keine Abwehr lässt. Ebenso verboten sind Griffe an Kleidung, Haaren und Genitalien sowie das Zusammendrücken des Kopfes mit beiden Armen.

Was passiert bei Punktgleichheit?

Es entscheidet eine feste Reihenfolge: zuerst die höchstbewertete Einzelaktion, dann die Anzahl dieser Aktionen, dann die geringere Zahl an Verwarnungen und zuletzt der zuletzt erzielte technische Punkt.