Ringen in Deutschland ist ein Sport mit klarer Ordnung und überschaubarer Größe. Rund 440 Vereine bieten ihn an, organisiert in neunzehn Landesverbänden unter einem Dachverband. Wer verstehen will, wie jemand vom ersten Training über die Bundesliga im Ringen bis zu einer nationalen Medaille kommt, muss diese drei Ebenen kennen – sie entscheiden über Startrechte, Wettkampftermine und darüber, in welcher Liga eine Mannschaft antritt. Ringen in Deutschland funktioniert dabei seit Jahrzehnten nach demselben Aufbau.
Der Deutsche Ringer-Bund als Dachverband
An der Spitze steht der Deutsche Ringer-Bund, abgekürzt DRB, gegründet 1972 als Zusammenschluss der deutschen Landesorganisationen. Der Ringer-Bund vertritt den Sport gegenüber dem Deutschen Olympischen Sportbund und ist zugleich die deutsche Mitgliedsföderation im Weltverband United World Wrestling. Diese Anbindung ist keine Formalie: Sie bedeutet, dass in einer deutschen Kreisliga dasselbe Regelwerk gilt wie bei Olympischen Spielen.
Zu den Aufgaben des Verbands gehören der Nationalkader, die Ausbildung von Trainern und Kampfrichtern, die Ausrichtung der nationalen Titelkämpfe und die Regelübersetzung. Änderungen, die der Weltverband beschließt, erreichen über den DRB und die Landesverbände innerhalb einer Saison die Vereine.
Ringen in den Landesverbänden
Zwischen Bund und Verein liegen neunzehn Landesverbände. Sie decken nicht exakt die Bundesländer ab: Baden-Württemberg ist in einen nordbadischen, einen südbadischen und einen württembergischen Verband geteilt, Rheinland-Pfalz in Pfalz, Rheinhessen und Rheinland – eine Folge der historisch gewachsenen Schwerathletikstrukturen, nicht der heutigen Verwaltungsgrenzen. Für Berlin ist der Berliner Ringer-Verband zuständig. Ringen in den Landesverbänden bedeutet deshalb je nach Region etwas anderes: Ein Verband kann über hundert Vereine betreuen oder weniger als zwanzig.
Die Landesverbände führen den Wettkampfbetrieb unterhalb der Bundesligen, stellen Ringerpässe aus, genehmigen Vereinswechsel und richten die Landesmeisterschaften aus. Für einen einzelnen Verein ist der Landesverband damit die praktisch wichtigste Ebene – mit dem Ringer-Bund selbst hat ein Breitensportler selten zu tun. Wer Ringen in den Landesverbänden über Jahre verfolgt, sieht dort auch die Nachwuchsarbeit, die später die nationalen Kader füllt.
Ringen in Deutschland: Vereine und Verbreitung
AINach der Bestandserhebung des Deutschen Olympischen Sportbundes boten im Jahr 2021 bundesweit rund 440 Vereine Ringen an. Die Verteilung ist stark ungleich: Baden-Württemberg, die Pfalz, Bayern und Teile Niedersachsens bilden die Schwerpunkte, während in einigen Bundesländern nur eine Handvoll Vereine existiert. In den Hochburgen gehört ein Mannschaftskampf zum Ortsleben und füllt Hallen; andernorts liegt der nächste Verein eine Autostunde entfernt.
Historisch reicht die Struktur weiter zurück als der heutige Dachverband. Ringen war in Deutschland lange Teil der Schwerathletik, gemeinsam mit Gewichtheben und Rasenkraftsport. Vor der Wiedervereinigung bestanden zwei getrennte Systeme mit jeweils eigenem Dachverband in der Bundesrepublik und in der DDR.
Die Bundesliga im Ringen
Die Bundesliga im Ringen unterscheidet sich von dem, was man aus anderen Sportarten kennt. Gerungen wird im Mannschaftskampf: Zwei Vereine treten mit je einer Mannschaft an, in mehreren Gewichtsklassen und in beiden Stilen abwechselnd. Die Einzelergebnisse werden zu einem Mannschaftsergebnis addiert, gewertet nach Art des jeweiligen Einzelsiegs.
Die Saison läuft im Kalenderjahresende statt im klassischen Rhythmus, die Kämpfe finden überwiegend an Samstagabenden statt, und ein Kampftag ist eine Veranstaltung von mehreren Stunden. Unterhalb der Bundesliga schließen sich Regional- und Landesligen an, deren Zuschnitt die Landesverbände festlegen. Die Bundesliga im Ringen ist damit die Spitze einer durchgehenden Pyramide, in die jeder Verein grundsätzlich aufsteigen kann.
Meisterschaften im Ringen
Die nationalen Meisterschaften im Ringen werden im Einzelwettkampf ausgetragen, getrennt nach Stil, Geschlecht und Altersklasse. Ein Titel wird also nicht einmal vergeben, sondern vielfach: im Freistil und im griechisch-römischen Stil, bei Frauen und Männern, von den Nachwuchsklassen über U17, U20 und U23 bis zu den Aktiven und den Veteranen.
Der Weg dorthin führt über die Landesmeisterschaften. Wer sich dort qualifiziert, startet bei den Deutschen Meisterschaften; von dort führt der Weg über Kadermaßnahmen zu Europa- und Weltmeisterschaften. Für die Olympischen Spiele kommen eigene Qualifikationsturniere hinzu, und die olympischen Gewichtsklassen sind enger gefasst als die des normalen Wettkampfkalenders – statt zehn Klassen je Stil sind es sechs.
Die Meisterschaften im Ringen bestimmen zugleich den Kalender der Vereine. Trainingsphasen werden auf diese Termine hin geplant, und weil die Meisterschaften im Ringen nach Altersklassen gestaffelt über das Jahr verteilt sind, hat ein Verein mit mehreren Gruppen praktisch ganzjährig Wettkämpfe im Blick. Ringen in Deutschland ist dadurch stärker durchgetaktet, als es die geringe Zahl der Vereine vermuten lässt.
Häufige Fragen
Wer organisiert das Ringen in Deutschland?
Der Deutsche Ringer-Bund als Dachverband, darunter die Landesverbände. International ist der Verband Mitglied bei United World Wrestling, von wo das gültige Regelwerk kommt.
Wie viele Ringervereine gibt es in Deutschland?
Nach der Bestandserhebung des Deutschen Olympischen Sportbundes boten im Jahr 2021 rund 440 Vereine Ringen an.
Wie viele Landesverbände gibt es?
Neunzehn. Ihr Zuschnitt folgt nicht den Bundesländern, weil die Verbandsstrukturen der Schwerathletik älter sind als die heutige Ländergliederung.
Wo liegen die Hochburgen des deutschen Ringsports?
In Baden-Württemberg, der Pfalz, Bayern und Teilen Niedersachsens. Dort existieren mehrere Ligaebenen bis in die unteren Klassen, während andernorts eine einzige Staffel den Betrieb trägt.
Welche Meisterschaften werden ausgetragen?
Titelkämpfe auf Landes- und Bundesebene in allen Altersklassen, dazu der Ligabetrieb um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft und international Europa- und Weltmeisterschaften.