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Ölringen – Yağlı güreş, der Ringkampf der türkischen Ringer

Ölringen in der Türkei: Kırkpınar seit dem 14. Jahrhundert, Kıspet und Olivenöl, Regeln und Titel – und der Unterschied zum Ringen.

Ölringen, auf Türkisch Yağlı güreş, ist die Nationalsportart der Türkei und einer der ältesten organisierten Wettkämpfe der Welt. Zwei Ringer treten in ledernen Hosen gegeneinander an, der gesamte Körper ist mit Olivenöl eingerieben, gekämpft wird auf Rasen und unter freiem Himmel. Was aus der Ferne wie Folklore aussieht, ist ein durchreglementierter Sport mit Titeln, Gewichtsklassen und einer ununterbrochenen Geschichte von mehr als sechshundert Jahren.

Kırkpınar: der älteste Wettkampf seiner Art

Das zentrale Turnier trägt den Namen Kırkpınar und wird jedes Jahr Ende Juni bei Edirne im europäischen Teil der Türkei ausgetragen. Osmanische Chroniken belegen eine jährliche Austragung seit 1362. Das Guinness-Buch der Rekorde führt Kırkpınar deshalb als den ältesten durchgehend ausgetragenen sanktionierten Sportwettkampf der Welt. 2010 wurde das Fest in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Der Ursprung wird auf osmanische Truppen zurückgeführt, für die der Ringkampf zunächst Ausbildung und Zerstreuung war, bevor daraus ein Fest zu Ehren der Sultane wurde. Heute dauert die Veranstaltung nicht mehr drei Tage, sondern rund eine Woche, mit Märkten, Musik und Tanz rund um die eigentlichen Kämpfe.

Kıspet und Olivenöl: die Ausrüstung

Das auffälligste Ausrüstungsstück ist die Kıspet, eine enge Hose aus Wasserbüffel- oder Rindsleder, die bis unter das Knie reicht und am Bund fest verschnürt wird. Sie wiegt mehrere Kilogramm, wird individuell angefertigt und begleitet einen Ringer oft über Jahre.

Das Olivenöl ist kein Schauwert, sondern die eigentliche sportliche Erschwernis. Es macht jeden Griff instabil: Ein Fassen am Arm oder am Rumpf rutscht ab, sobald Zug entsteht. Deshalb greifen türkische Ringer bevorzugt in die Kıspet selbst – der sogenannte Paça-Griff in das Hosenbein ist eine der wichtigsten Techniken des Sports und hat im olympischen Ringen keine Entsprechung.

Wie gewonnen wird

Der Sieg fällt, wenn ein Ringer seinen Gegner mit dem Bauch nach oben auf den Boden bringt oder ihn vom Boden hochhebt und trägt. Das unterscheidet sich grundlegend vom olympischen Schultersieg, bei dem beide Schulterblätter gleichzeitig und für eine messbare Zeit die Matte berühren müssen.

Die Kämpfe haben keine feste kurze Rundenstruktur wie im olympischen Ringen. Historisch dauerten sie an, bis eine Entscheidung fiel; heute gibt es Zeitlimits mit anschließender Verlängerung, um die Turniere planbar zu halten. Gerungen wird in Gewichts- und Altersklassen, die nicht den internationalen Klassen entsprechen und eigene Bezeichnungen tragen.

Titel und Ränge

Die Teilnehmer heißen Pehlivan, ein Wort, das sich mit „Ringer” nur unvollständig übersetzen lässt und näher an „Held” oder „Recke” liegt. Die höchste Klasse ist die Başpehlivan-Klasse; wer sie in Kırkpınar gewinnt, trägt für ein Jahr den Titel des Başpehlivan. Drei Siege in Folge galten traditionell als besondere Auszeichnung.

Anders als im olympischen Ringen ist der Status stark personengebunden und über die Region hinaus bekannt. Erfolgreiche Ölringer sind in der Türkei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, nicht Randsportler.

Ölringen und olympisches Ringen: zwei getrennte Sportarten

Die Türkei ist zugleich eine der erfolgreichsten Nationen im olympischen Ringen. Beide Sportarten existieren nebeneinander, überschneiden sich aber weniger, als die gemeinsame Bezeichnung „Ringen” vermuten lässt. Untergrund, Kleidung, Griffe und Siegbedingung sind verschieden, und ein Wechsel zwischen beiden erfordert erhebliches Umlernen.

Ähnliches gilt für die übrigen Ringkampfformen der Welt: Sumō in Japan, Glíma auf Island, Ssireum in Korea oder Bökh in der Mongolei sind eigenständige Sportarten mit eigenen Regelwerken, nicht Varianten desselben Wettkampfs. Wer sich für Ölringen in der Türkei interessiert, sieht keine Abwandlung des olympischen Ringens, sondern eine parallele und deutlich ältere Traditionslinie.

Warum der Sport überdauert hat

Ölringen braucht kaum Infrastruktur: eine Wiese, zwei Hosen, Öl. Diese Anspruchslosigkeit hat den Sport über Jahrhunderte durch politische Umbrüche getragen, in denen andere Traditionen verschwanden. Dazu kommt die Bindung an einen festen Ort und einen festen Termin – Kırkpınar ist für die Region ein jährlicher Fixpunkt, an dem Zuschauer, Händler und Musiker ebenso teilnehmen wie die Ringer selbst.

Ein dritter Grund liegt in der Durchlässigkeit. Der Zugang ist an keine Vereinsmitgliedschaft und an keine Nachwuchsstruktur gebunden; wer eine Kıspet besitzt und in einer Klasse gemeldet wird, kann antreten. In Dörfern der Region Thrakien gehören kleinere Turniere zum Sommerkalender, und aus ihnen rücken die Teilnehmer für Kırkpınar nach. Diese Basis aus lokalen Wettkämpfen hat den Sport unabhängig von staatlicher Förderung am Leben gehalten – ein Unterschied zum olympischen Ringen, das in nahezu allen Ländern auf Verbandsstrukturen und öffentliche Mittel angewiesen ist.

Häufige Fragen

Was ist Ölringen?

Yağlı güreş, der türkische Ölringkampf: Die Ringer treten mit Olivenöl eingerieben gegeneinander an. Es gilt als Nationalsportart der Türkei.

Was ist Kırkpınar?

Das Hauptturnier des Ölringens und einer der ältesten durchgehend ausgetragenen Wettkämpfe seiner Art. Es findet jährlich statt und ist der zentrale Bezugspunkt des Sports.

Was ist ein Kıspet?

Die handgefertigte Lederhose der Ölringer. Sie ist die einzige Kleidung im Kampf und zugleich Griffpunkt – das Öl macht jeden anderen Griff unhaltbar.

Wie gewinnt man einen Ölringkampf?

Durch Kontrolle über den Gegner, klassisch mit dem Griff in den Kıspet. Weil das Öl jeden Halt zerstört, entscheiden Kraft und Ausdauer stärker als feine Technik.

Ist Ölringen dasselbe wie olympisches Ringen?

Nein. Ölringen und die olympischen Stile sind getrennte Sportarten mit eigenen Regeln, eigener Ausrüstung und eigener Wettkampfstruktur.