Freistilringen ist die offenere der beiden olympischen Stilarten. Der entscheidende Unterschied lässt sich in einem Satz sagen: Hier ist der ganze Körper Angriffsfläche. Vom Kopf bis zu den Füßen darf gegriffen, gehalten, gezogen und gehebelt werden, im Stand wie am Boden. Beine dürfen gefasst werden, es darf beingestellt werden, und die eigenen Beine dürfen aktiv für eine Aktion eingesetzt werden.
Das klingt nach weniger Regeln, führt aber nicht zu weniger Technik – im Gegenteil. Weil mehr Angriffswege offen stehen, muss auch mehr verteidigt werden, und der Kampf verlagert sich deutlich häufiger auf den Boden als im griechisch-römischen Stil.
Was im Freistil erlaubt ist
Erlaubt sind Griffe am gesamten Körper, das aktive Beinstellen und der Einsatz der eigenen Beine als Werkzeug. Ein Angreifer darf ein Bein des Gegners fassen, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen, und er darf seine eigenen Beine um ein Bein des Gegners legen, um am Boden eine Drehung zu erzwingen.
Nicht erlaubt bleibt alles, was den Körper des Gegners über seinen natürlichen Bewegungsraum hinaus belastet: Griffe an Hals und Atemwegen, das Überdehnen von Gelenken, Griffe an Kleidung, Haaren oder Genitalien. Im Frauenringen, das den Freistil-Regeln folgt, kommt der Doppelnelson als eigenes Verbot hinzu.
Drei Griffe, die den Freistil prägen
Der Paketgriff verbindet zwei Bewegungen in einer. Ein Arm greift den Nacken, während die Hand des anderen Arms ein Bein des Gegners ruckartig nach oben zieht. Der Gegner verliert seine Basis nach unten und seine Aufrichtung nach oben gleichzeitig – das Ziel ist der Fall auf den Rücken und ein sicherer Halt am Boden.
Die Beinschraube ist eine reine Bodentechnik. Die überkreuzten Beine des am Boden liegenden Gegners werden so gedreht, dass die Rotation über die Hüfte in den Oberkörper weiterläuft und der Gegner am Ende auf dem Rücken liegt. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie im Freistil Kraft über einen Hebel umgeleitet statt direkt aufgewendet wird.
Der Spaltgriff setzt an den Innenseiten der Oberschenkel an, die damit angehoben werden. Er gilt als unangenehm, ist aber regelkonform, solange er die Gelenke nicht überdehnt.
Allen drei gemeinsam ist, dass sie im griechisch-römischen Ringen ausnahmslos verboten wären. Wer beide Stile trainiert, lernt damit auch, dieselbe Situation auf zwei völlig verschiedene Arten zu lösen.
Nicht jeder Angriff zielt auf den Fall
Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass jede Aktion auf den sofortigen Sturz des Gegners abzielt. Tatsächlich geht es in vielen Sequenzen zunächst nur darum, die vom Gegner aufgewendete Kraft umzulenken oder eine Position zu verbessern. Ein Angriff, der den Gegner nur in die Passivitätszone drängt oder ihn zu einem Ausweichschritt zwingt, kann den Kampf entscheiden, ohne dass eine sichtbare Technik gelingt.
Gewertet wird entsprechend abgestuft. Ein Punkt fällt schon für einen Gegner an, der im Stand mit einem ganzen Fuß die Kampffläche verlässt. Zwei Punkte gibt es für den kontrollierten Übergang in den Rücken, vier für einen Wurf aus dem Stand in die Gefahrenlage, fünf für den Großamplitudenwurf.
Kampfdauer und vorzeitiges Ende
Ein Kampf besteht aus zwei Perioden mit dreißig Sekunden Pause – drei Minuten je Periode bei Senioren, U23 und U20, zwei Minuten bei U15, U17 und Veteranen. Die Punkte beider Perioden werden addiert.
Vorzeitig endet der Kampf durch Schultersieg oder durch technische Überlegenheit. Im Freistil liegt deren Schwelle bei zehn Punkten Vorsprung und damit höher als im griechisch-römischen Ringen, wo acht Punkte genügen. Der Grund ist die höhere Punktdichte: Weil im Freistil mehr Angriffswege offen sind, fallen auch mehr Wertungen.
Für wen der Freistil geeignet ist
AIFreistilringen lässt sich in jeder Altersklasse ausüben, von Kindern bis zu Veteranen, und Frauen wie Männer ringen nach denselben Grundregeln. Für den Einstieg spricht, dass die Bewegungsmuster – tief gehen, greifen, ziehen, das Gleichgewicht des Gegenübers suchen – näher an dem liegen, was Kinder beim Raufen ohnehin tun.
Wer den direkten Vergleich sucht, findet die Gegenseite auf der Seite zum griechisch-römischen Ringen; die vollständigen Wertungen und verbotenen Handlungen stehen in den Regeln.
Häufige Fragen
Was ist im Freistil erlaubt, was im griechisch-römischen Stil nicht?
Im Freistil darf der gesamte Körper angegriffen werden, einschließlich der Beine, und die eigenen Beine dürfen aktiv eingesetzt werden – zum Einhaken, Blockieren und als Hebel.
Welche Griffe prägen den Freistil?
Vor allem Angriffe auf die Beine: der einbeinige und der zweibeinige Angriff sowie Varianten, die aus dem Griff am Bein in eine Drehung oder in den Bodenkampf führen.
Zielt im Freistil jeder Angriff auf den Schultersieg?
Nein. Viele Aktionen zielen auf Punkte durch kontrollierten Übergang in den Rücken. Der Schultersieg bleibt das schnellste Ende, ist aber nicht der einzige Weg, einen Kampf zu gewinnen.
Wie lange dauert ein Freistilkampf und wann endet er vorzeitig?
Zwei Perioden zu drei Minuten bei den Erwachsenen. Vorzeitig endet er durch Schultersieg oder bei zehn Punkten Vorsprung durch technische Überlegenheit.
Für wen eignet sich der Freistil?
Er kommt Ringern entgegen, die schnell auf Distanzwechsel reagieren und tief arbeiten. Wer beide Stile trainiert, nutzt den Freistil häufig, um Beweglichkeit und Reaktionsschnelligkeit zu schulen.