Ringen außerhalb Berlin – Der lange Weg nach Potsdam hat sich für unsere jungen Ringer gelohnt

Die Teilnahme am Raab Karcher Cup 2015 war für unser Team ein wichtiger Schritt, um als Mannschaft zusammenzuwachsen. Als Verein war es unsere erste Teilnahme am Raab-Karcher-Cup, mit insgesamt 15 jungen Sportlern (B-, C-, D-Jugend) haben wir uns auf dem Weg nach Potsdam gemacht. Am Ende gewannen unsere Ringer drei mal Gold und ein mal Silber, zudem standen acht weitere Kids unter den ersten sechs ihrer jeweiligen Gewichtsklasse. Als Mannschaft hat der Weddinger Ringerverein Berlin 09 e.V. von ca. 20 Mannschaften den vierten Platz erreicht, Wenn man bedenkt das die ersten drei Mannschaften mit über 20 Sportlern teilgenommen haben, können wir mit unserer Leistung sehr zufrieden sein.

Nachdem unsere Löwen bereits bei der Berliner Meisterschaft 2015 in Tegel ihr Können unter Beweis gestellt haben, ging es diesmal darum Kontinuität zu präsentieren. Wir wollten unbedingt da weiter machen wo wir in Tegel aufgehört haben. Demnach war es uns wichtig weiterhin sportlich fair und technisch versiert zu ringen, was uns über weite Strecken gelungen ist. Unsere Sportler haben erneut mit sehr viel Leidenschaft gerungen und haben uns die Botschaft vermittelt, dass sie der Sportart Ringen mit großer Begeisterung nachgehen.

Zum Geburtstag gibt es Gold

Während Abdullah (D-Jugend, 54 kg) zu seinem Geburtstag sich selbst mit einer Goldmedaille beschenkt hat und somit in seinem ersten Turnier einen guten Einstieg in den Wettkampfverlauf erhielt, ging es für Muhammed (D-Jugend, 23 kg) darum, seine technischen Fertigkeiten anzuwenden, was ihm phasenweise auch gelungen ist. Er hat seine Gegner immer wieder mit sehr guten Aktionen überrascht, insbesondere der Griff zu beiden Fußgelenken brachte seine Gegner aus dem Gleichgewicht. Letztlich war er ein wenig aufgeregt und unerfahren, dadurch vergab er auch wichtige Punkte. Am Ende hat er bei seiner ersten offiziellen Turnierteilnahme den dritten Platz erreicht und kann mit seiner Gesamtleistung sehr zufrieden sein. Es fehlt ihm nur etwas an Erfahrung und Kraft, denn sonst hat er die besten Voraussetzungen ein kompakter Athlet zu werden.

Ahmed (D-Jugend, 25 kg) dagegen wirkte etwas routinierter, obwohl es auch seine erste offizielle Turnierteilnahme gewesen war. Nachdem er seine starken Gegner aus SC Roland Hamburg und RV Lübtheen ganz souverän besiegte, hatte er nicht mehr die nötige Kraftreserve um am Ende nochmal das Kampfgeschehen zu kontrollieren. Jedoch hat er von 11 starken Teilnehmern den vierten Platz erreicht und seine technischen Aktionen wie der Schulterschwung oder der Wurf über die Brust waren noch lange Zeit nach seinen Kämpfen ein Gesprächsthema.

Weddinger Löwen nehmen es mit starken Gegnern auf

Etwas unglücklich verlief es für Salman (B-Jugend, 34 kg), der nach einem überragenden Start im Laufe des Turniers sich leider verletzte und somit sich aus dem Wettkampf zurückziehen musste. Bis dahin gelang es ihm jedoch zahlreiche Angriffe aus dem Stand und aus dem Boden heraus erfolgreich auszuführen. Salman hat uns gezeigt, wie vielseitig er die Freistil-Disziplin beherrscht. Bereits in der Berliner Meisterschaft viel er mit seinem variablen Stil ins Auge, wenn er weiter so engagiert sich beim Training beteiligt und die Anweisungen seiner Trainer verfolgt, wird er sein Talent voll ausschöpfen.

Mit insgesamt 21 Teilnehmern der entsprechenden Alters- und Gewichtsklasse befand sich Nadirhan (C-Jugend, 38 kg) in einer Gruppe die aus sehr guten Ringern bestand. In seinem ersten Duell hatte er gleich einen erfahrenen Defensivspezialisten aus RV Thalheim als Gegner. Es war ein sehr wechselseitiges Ringerduell, bei dem Nadirhan durch sehr viel Geschick als Sieger hervorging. Auch in seinen anderen Begegnungen gelang es ihm immer wieder sehr präzise Angriffe einzuleiten. Besonders sein Hüftschwung gegen seinen Gegner vom 1. Luckenwalder SC deutete daraufhin, dass Nadirhan weitaus auch Qualitäten im Griechisch-römisches Ringen besitzt. Nachdem er völlig unerwartet zwei mal verloren hat, sicherte er mit einem Schultersieg am Ende den fünften Platz. Nadirhan muss unbedingt seine Ausdauer verbessern, weil er oft aus dem Atem kam. Aber sonst darf er sich für die Leistung die er erbracht hat, sich selbst auf die Schulter klopfen.

Ein neues Talent ist geboren

Unser junger Schützling Chan (D-Jugend, 23 kg) hat von Anfang an sehr selbstbewusst auf der Matte gerungen. Auch wenn er phasenweise gute Akzente gesetzt hat und trotz seines leichten Gewichts seine starken Gegner in Bedrängnis brachte, reichte es am Ende nur für den vierten Platz. Wenn Chan lernt seine Konzentration auf das Kampfgeschehen zu fokussieren ohne sich vom Publikum ablenken zu lassen, dann kann er allein schon aus seinen explosionsartigen Angriffsstil ein Alptraum für seine Gegner werden.

Für den jungen Murad (C-Jugend, 31 kg) war es auch sein erstes Turnier, was man ihm aber nicht unbedingt ansah. Selbst wenn er zum Schluss nur den vierten Platz erreichte, überraschte er uns mit Techniken aus dem Ringen, die man sonst bei erfahrenen Ringern beobachtet. So gelang ihm sogar ein sauber ausgeführter Schultersieg gegen seinem starken Gegner vom RV Lübtheen. Insgesamt hatte er bei allen Begegnungen sehr viel Freude am Ringen und war traurig, dass er nicht genug Kontrahenten hatte. Murad ist ein leichter Trainingsverweigerer, dass muss er sich unbedingt abgewöhnen, dann wird es ihm auch leichter fallen seine volle Leistung abzurufen.

Das Publikum erfreut sich über die Berliner Löwen aus Wedding

Ähnlich wie Murad war auch Ramzan (C-Jugend, 38 kg) enttäuscht, weil er nicht genug ringen durfte. Allerdings hatte er das Pech gehabt, dass er auf Grund des Pool-Systems früh ausscheiden musste, weil er am Anfang die entscheidenden Kämpfe nicht gewann. Trotz dessen hat Ramzan im Ansatz sehr gute Ringer-Techniken angewandt die ihm auch Punkte einbrachten, allerdings nutzen die Gegner seine kurzen Unachtsamkeiten aus und entschieden die Duelle für ihre Gunsten. Jedoch muss man den sportlichen Ehrgeiz und die Kampfbereitschaft von Ramzan loben, er wollte mit ganz viel Euphorie unbedingt weiter ringen. Hier können sich unsere anderen Sportler von ihm ein Beispiel nehmen.

Muhammad (D-Jugend, 38 kg) dagegen war am Anfang des Turniers ein wenig aufgeregt, aber baute sich im Verlauf des Wettkampfs ein starkes Selbstvertrauen auf. So sammelte er großen Applaus vom Publikum, als er einen Runterreißer am Nacken mit Oberarm ausführte. Immer wieder gelang es ihm durch seinem flinken Stil Punkte zu sammeln. Letztlich hat es ihm an Ausdauer und Kraft gefehlt um eine Medaille zu gewinnen. Dennoch hat er uns mit seiner bissigen Art sehr überzeugt.

Jugend Ringen im Weltklasse Niveau

Eine absolute Weltklasse Leistung lieferte unser junger Löwe Adam A. (D-Jugend, 34 kg), die Zuschauer brachen in Jubel aus als sie ihm beim Ringen sahen. Was er an dem Tag vollbrachte war nicht von dieser Welt. Insgesamt hat er sechs Duelle gehabt, von denen er keines verlor, geschweige davon einen einzigen Punkt vergab. Seine Gegner auf der Matte dominierte er nach Lust und Laune, geschmückt mit viel Raffinesse, ohne dabei ansatzweise in Bedrängnis zu geraten. Es war nur noch reine Kunst die er nach und nach ablieferte, es gelangen ihm fünf Schultersiege und ein Sieg durch technische Überlegenheit nachdem es 15:0 stand. Ob Standbeinbelastung mit Griff am Bein oder Beinangriffe in unterschiedlichen Variationen, das technische Repertoire von Adam A. war einfach zahlreich zu beobachten. Völlig verdient belohnte er sich am Ende mit einer Goldmedaille. Wenn er zudem noch sein Training regelmäßig nachgeht, wird er später bestimmt zu den besten Ringern in Deutschland gehören.

Mit Magomed O. (B-Jugend, 46 kg) haben wir im Verein einen Sportler der an Zielstrebigkeit und Ehrgeiz kaum zu überbieten ist. Im Raab Karcher Cup hatte er leichte Anlaufschwierigkeiten ins Turnier reinzukommen. Auch wenn er sich im Vergleich zum letzten Wettbewerb verbessert hat und sehr anschauliche Ringereinlagen einbrachte, war er in den entscheidenden Momenten mit der Ausführung seiner Angriffe nicht konsequent genug. Obwohl er deutlich besser ringen kann und seine Gegner auch phasenweise unter Druck setzte, reichte es am Ende nicht für eine Medaille. Wenn Magomed O. sein Trainingsvolumen etwas steigert, wird er deutliche Vorschritte machen, die ihn zu einem schnellen Freistil-Ringer formen werden.

Erfahrung ist entscheidend für den späteren Erfolg

Malik (B-Jugend, 42 kg) der sonst im Training immer wieder mit sehr guten Aktionen auf sich aufmerksam macht, war im Turnier ganz anderes als erwartet. Seine Gegner überraschten ihm mit Blitz-Angriffen, die er nur mühsam abwehren konnte. Am Ende übergab er die Kontrolle des Kampfgeschehens an seine Kontrahenten, was eigentlich für ihn eher untypisch ist. Denn Malik ist ein Ringer der an seinen guten Tagen kaum zu bezwingen ist. Er reicht schon, wenn er nur halb so gut ringt wie im Training, dann kann er auch mit einem Podiumsplatz rechnen.

Unser Freistil-Spezialist Khalim (C-Jugend, 31 kg) hat den Fehler begangen seine Gegner zu unterschätzen, dass bescherte ihm gleich zum Anfang des Turnieres eine bittere Lektion. Erst in den darauf folgenden Kämpfen steigerte er seine Leistung und führte eine gute Technik nach der anderen aus, wie z.B. die Doppelbeinangriffe mit denen er seine Gegner immer wieder zum fallen brachte. Leider hat es zum Schluss nicht für eine Medaille gereicht. Aber die Erfahrung die er in diesem Turnier gesammelt hat, wird ihm noch sehr nützlich werden, um nicht erneut sich selbst zu überschätzen. Denn Khalim ist eines unserer talentiertesten Sportler, der auf jeden Fall die Voraussetzungen für einen gut ausgebildeten Ringer verfügt.

Weddinger Löwen rauben den Zuschauern den Atem

Adam H. (B-Jugend, 50 kg) war ganz euphorisch in seinem ersten Turnier und strahlte gleichzeitig eine Coolness wie ein routinierter Ringer aus. Das ermöglichte ihm gegen seine erfahrenen und sehr starken Mitstreiter Paroli zu bieten. Er gewann zwar nicht alle Duelle, aber brachte immer wieder ganz Geschick seine Stärke im Standringen ins Spiel. So gelang es ihm beispielsweise aus dem Stand heraus seinen Gegner zu stürzen und ihm blitzartig zu schultern. Adam H. fehlt es nur an Trainingsdisziplin, wenn es ihm gelingt konsequent am Vereinstraining teilzunehmen, kann er sich zu einem enorm starken Griechisch-römisch Ringer entwickeln.

Für atemlose Spannung sorgte Magomed M. (B-Jugend, 34 kg), denn wie kein anderer Ringer bezwang er seine Gegner durch spektakuläre Ringer-Techniken. Es war sehr beeindruckend zu beobachten, mit welcher Sicherheit und Entschlossenheit er seine Fähigkeiten einsetze. Hier war einfach alles dabei, vom Armdurchzug bis zur Zange im Bodenringen. Begegnungen mit so viel Dramatik und Emotionen kennt man sonst nur aus den Olympia-Spielen. Es war seine erste Turnierteilnahme, bei der er bereits im ersten Kampf ein Schultersieg erkämpfte. Am Ende erbeutete er sich ganz verdient die Goldmedaille und setzte die Messlatte für unterhaltsame Ringerkämpfe weit nach oben. Magomed M. hat die erforderlichen Merkmale, die ein Ringer braucht um später international auf hohen Niveau zu ringen.

Wie bereits erwähnt war die Teilnahme am Raab Karcher Cup für unsere jungen Athleten eine große Erfahrung. Wir danken dem Ringerclub RC Germania Potsdam e.V. für die reibungslose Ausrichtung des Turniers. All unsere Ringer hatten viel Spaß gehabt und waren überaus glücklich sich mit anderen Sportlern fair zu messen. Wir freuen uns schon auf das nächste Turnier im kommenden Jahr in Potsdam. Bis dahin wünschen wir allen Wettkampf-Beteiligten viel Erfolg.