Berliner Ringer ringen wie Löwen

Acht Berliner Löwen erobern Hamburg und bringen 8 Medaillen und 2 Pokale mit in die Hauptstadt

Nach einer abenteuerlichen Reise haben wir es trotz finanzieller Hürden geschafft, mit unseren Löwen außerhalb der Berliner Grenzen den olympischen Ringkampfsport zu betreiben. Im 14. Hanse Pokal Turnier 2016 haben 8 Weddinger Ringer insgesamt 8 Medaillen und zwei Pokale erkämpft. Unser kräftiger Ringer Imam alias Hulk wurde sogar als bester Turniersportler ausgezeichnet. Dazu hat die Mannschaft noch den dritten Platz belegt und das nur mit acht Sportlern. Insgesamt haben unsere Löwen eine sehr starke Leistung abgeliefert, obwohl sie eine lange Fahrt hinter sich hatten und nur wenig geschlafen haben. Das harte Training von unserem Vereinstrainer Ibrahim Umarov hat sich ausgezahlt.

Unser sympathischer Löwe Murad (B/C-Jugend, 38 kg), der oft auch als der Schattenwolf bezeichnet wird, hat den Hanseaten das Leben schwer gemacht. In einer Gruppe mit 5 starken Ringern hat er es geschafft, am Ende als Goldgewinner hervorzugehen. Es ist erstaunlich was für eine Entwicklung Murad in den letzten Jahren gemacht hat. Er hat ständig an seiner Technik und Kondition gearbeitet und hat am Ende dafür zum ersten Mal den 1. Platz errungen. Durch seinen unermüdlichen Ehrgeiz gelang es ihm, seine starken Gegner vom SC Roland Hamburg und AFG Hannover fast mühelos zu bezwingen. Seine Lieblingstechnik, die Beinschraube, konnte er wieder einmal perfekt einsetzen und hat dadurch allen bewiesen, dass er später auf internationaler Ebene ringen kann.

Weddinger Ringer dominieren den Hanse Cup

Muhammad (D-Jugend, 34 kg) ist ein klassischer Freistilringer. Wie immer verlaufen seine Kämpfe höchst spannend und rauben dem Trainerstab in der Ecke den Atem. Auch wenn er viele Ringertechniken, wie den verschränkten Ausheber an der Brust oder den Nackenhebel gegen seine Gegner vom Wandsbeker Athleten Club und ASV Wilhelmshaven sauber ausführte, reichte es am Ende nur für den dritten Platz. Er war zwei Mal kurz vor Kampfschluss nicht konzentriert genug und ließ Fehler zu, die ihm sonst nicht passieren. Dennoch war es für ihn eine lehrreiche Erfahrung, die er in zukünftigen Turnieren abrufen wird.

Unser dagestanischer Löwe Magomed (B/C-Jugend, 38 kg und 42 kg) hat in zwei Gewichtsklassen gerungen. Mit seinen Siegen gegen die starken Gegner vom SC Roland Hamburg, Ringerverein Lübtheen und Afghanischer Ringerverein Hannover krönte er sich an diesem Samstagabend zum doppelten Meister in gleich zwei Gewichtsklassen. Magomed ist ein typischer Bodenkämpfer, aber an diesem Tag gelangen ihm auch Techniken aus dem Standkampf. Er war seinen Gegnern weitaus überlegen und hatte daher keine Schwierigkeiten, die im Training erlernten Techniken anzuwenden. Vor allem der Außensichel mit Griff am Arm, auch „Hammer“ genannt, führte dazu, dass seine erfahrenen Kontrahenten mehrmals von ihm in die Bodenlage versetzt wurden. Sein Löwenherz wird ihm noch viele Siege bescheren.

Mit starkem Willen und Erfahrung zum Sieg

Einen starken Willen präsentierte an diesem Tag unser rebellischer Löwe Rahman (A-Jugend, 63 kg). Er musste insgesamt sechsmal auf die Matte, um sein Können unter Beweis zu stellen und konnte sich am Ende die Bronzemedaille ergattern. Im Finale fehlte ihm dann leider die nötige Kraft, sich gegen den erfahrenen Ringer vom Wandsbeker Athleten Club durchzusetzen. Dennoch ist Rahman ein sehr gutes Beispiel dafür, niemals aufgeben zu wollen. Sein endloser Wille sich zu verbessern, wird ihm noch viele Medaillen einbringen. Noch vor zwei Jahren war er ein absoluter Einsteiger mit begrenztem Bewegungsradius. Auch die nötige Sportlereinstellung war bei ihm lange nicht vorhanden. Doch seine Entwicklung in den letzten Monaten sucht seinesgleichen. Niemand anderes hat sich so schnell entwickelt wie Rahman. Auf der Matte hat er im Hanse Pokal Turnier seine Gegner mit Ringer-Techniken, wie dem Schleuder, Doppelbeinangriff und der Oberschenkelwende bittere Momente beschert. Als Verein stehen wir voll und ganz hinter ihm und werden Rahman unterstützen, damit er sich sportlich weiter entfalten kann.

In einer Gruppe, die ebenfalls aus sechs Sportler bestand, musste auch Anzor alias Speedy Gonzales (D-Jugend, 29 kg) kämpfen. Wenn unsere schnellste Maus aus Tschetschenien auf der Matte ringt, dann steht ihm das Publikum wie immer tatkräftig zur Seite. Anzor gelang es, drei seiner Gegner deutlich zu überwältigen, insbesondere seinen Gegenspieler vom TuS Gaarden/Kiel besiegte er durch Technische Überlegenheit. Am Ende reichte es leider nicht für eine Medaille, weil er zweimal nicht optimal seine Chancen genutzt hat. Er verfügt zwar über eine bewundernswerte Ausdauer, muss aber vermehrt auf seine praktische Erfahrung zurückgreifen, wie er es sonst oft tut. Wir sind uns sicher, wenn er weiter diesem Sport treu bleibt, dann wird er später in der deutschen Bundesliga Akzente setzten.

Die Superhelden unserer Löwenfamilie ringen mit viel Vereinsliebe

Unser Königshaus besteht aus vielen Superhelden, zu denen auch eindeutig Salman (B/C-Jugend, 38 kg) gehört. Er ist ein hervorragender Techniker und überrascht dadurch seine Gegner immer wieder mit präzisen Technikeinlagen, die man sonst eher auf internationaler Ebene im Männerringen erlebt. Es ist erstaunlich, wie souverän er Techniken wie den Beindurchzug mit Einsteigen oder den Durchdreher mit Griff an den Rippen ausführt. Im diesjährigen Hanse Pokal vergab er ganz knapp seine Chance auf Gold und gewann daher am Ende die Silbermedaille. Wenn es ihm gelingt, noch sich noch mehr Biss und Zielstrebigkeit anzueignen, wird er für seine Mattengegner immer ein gefürchteter Ringer sein.

Mit Islam (B/C-Jugend, 50 kg) hat die Löwenfamilie einen starken Zuwachs bekommen: Durch seine Beteiligung ist unsere Familie noch kräftiger geworden. Wenn er sich auf die Matte begibt, strahlt er nicht nur Entschlossenheit aus, sondern auch wahre Vereinsliebe. Es war sein zweites Turnier für den Weddinger Ringerverein Berlin 09 e.V., bei dem er erneut mit hundert Prozent Einsatz gerungen hat. Wie auch bei seinem letzten Turnier, die Mitteldeutsche Meisterschaft der C- Und D-Jugend in Braunsbedra, fehlte ihm auch heute noch die nötige Erfahrung und sportliche Qualität, um sich am Ende mit Gold zu belohnen. Es gelang ihm zwar seine Stärken, wie den Schulterschwung, gut einzubringen, dennoch muss er vor allem noch an seinen Beinangriffen arbeiten. Diese sind noch etwas zu langsam. Seine Gegner konnten so leichter ausweichen und ihn in Bedrängnis bringen. Wenn er weiter an sich arbeitet, wird er ganz bestimmt mehr als die Silbermedaille gewinnen.

Kämpfen wie ein Held aus dem Marvel-Universum

Für die absolute Überraschung sorgte Imam alias Hulk (B/C-Jugend, 58 kg), der sich völlig verdient die Goldmedaille ergatterte und am Ende sogar die Auszeichnung für den besten Turniersportler erhielt. Trotz unzureichender Wettkampfvorbereitung war er fitter als 10 Crossfit Sportler zusammen. Seine kampfstarken Gegner aus dem Wandsbeker Athleten Club, RV Lübtheen, TuS Gaarden/Kiel und dem SC Roland Hamburg sahen am Ende alle blass aus. Insgesamt ging er fünfmal auf die Matte und demontierte dabei seine Kontrahenten, die unter anderem Kampfsporterfahrung haben und MMA betreiben. Durch seine Lieblingstechnik, dem Hammerlock mit Herumlaufen, gelang es ihm sogar gleich vier seiner Gegner zu Schultern, bevor er sie mit vielen anderen Ringertechniken, wie z.B. Runterreißen am Nacken mit Unterarm, Ausheber von der Seite oder einem Spaltgriff zur Kapitulation zwang. Imam ist nicht nur unser Hulk, sondern wie er sich gerne nennt: Die Blume des Vereins. Eins ist sicher, er ringt mit viel Herz und Kampfgeist. Leider nimmt er nach wie vor sein Training nicht ganz so ernst. Wenn es ihm gelingt, seine Trainingshaltung zu ändern, wird er jegliche Hürden mühelos durchbrechen und der Sportart Ringen mehr Farbe verleihen. Als Verein bemühen wir uns sehr ihn dabei zu unterstützen.

Unabhängig von den gewonnenen Medaillen, war es insgesamt eine sehr gelungene Turnierteilnahme. Unsere Sportler hatten wieder einmal die Möglichkeit, die im Training erprobten Techniken anzuwenden. Dazu ist ein Wettkampf bestens geeignet, um die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen und diese so zu optimieren und auszugleichen. Während Marvel Autor Stan Lee Superhelden erfindet, erschaffen wir wahre Superhelden. Als Verein sind wir über die Entwicklung unserer jungen Löwen wie immer sehr stolz. Es ist uns wieder einmal gelungen, an einem Ringerturnier außerhalb Berlins teilzunehmen. Wir bedanken uns an die Ausrichter des Turniers und hoffen demnächst wieder teilnehmen zu können.